Heilpflanzen-Lexikon

A

Anis (Pimpinella anisum)

Wir kennen den Anis einerseits als aromatisches Gewürz, andererseits als wertvolle Heilpflanze. Der einjährige Doldenblütler stammt ursprünglich aus der Mittelmeerregion und Vorderasien, wo er bereits im Altertum in Getränken, in Speisen und in Brot verarbeitet, darüber hinaus jedoch auch zur „Beduftung“ von Räumen genutzt wurde. Heutzutage verwenden wir die getrockneten Früchte, ganz oder gemahlen, sowie das durch Wasserdampf-Destillation gewonnene ätherische Öl primär zu medizinischen Zwecken wie auch vor allem in der Weihnachtsbäckerei. In Südeuropa bereitet man zudem diverse verdauungsfördernde Spirituosen aus Anis zu, wie etwa den Ouzo oder den Pastis.

In den Anisfrüchten finden sich neben fetten Ölen und Eiweiß vor allem Flavone, Cumarine, Mineralien und ein mit 3 – 4 % recht hoher Gehalt an ätherischen Ölen, allem voran das Anethol. Wissenschaftlich belegt ist die den Abtransport von Bronchialschleim fördernde Wirkung bei Atemwegserkrankungen, die entkrampfende Wirkung auf Magen und Darm, wie sie gegen Blähungen zum Beispiel in Babytees genutzt wird, und die antibakterielle, entzündungshemmende Wirkung. In der Volksmedizin wird Anis darüber hinaus gern zur Förderung der Milchbildung sowie zur Appetit- und Verdauungsanregung angewendet.

Arnika (Arnica montana)

Der auch unter dem Namen „Bergwohlverleih“ bekannte Korbblütler wächst auf den Gebirgswiesen Europas und steht unter Naturschutz. Die krautige Pflanze kann bis zu 60 cm hoch werden. Medizinisch werden die aromatisch duftenden Blüten dieser wertvollen Heilpflanze verwendet. Sie enthalten unter anderem Sesquiterpenlactone (v. a. Helenalin), Flavonoide und ätherisches Öl (u. a. Thymol).

Die Einsatzmöglichkeiten für Arnika sind aufgrund ihrer antientzündlichen, schmerzlindernden, antimikrobiellen, durchblutungsfördernden und vor allem abschwellenden Wirkung vielfältig. So kommt Arnika vorzugsweise bei Prellungen, Quetschungen, Blutergüssen, rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie bei Flüssigkeitsansammlungen in der Haut und Unterhaut (Ödemen) zum Einsatz. Darüber hinaus werden oberflächliche Venenentzündungen mit Arnikablüten in Form von wässrigen Umschlägen, Tinkturen oder Salben behandelt.

In klinischen Studien hat sich Arnika bei entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritis) als ebenso wirksam wie Ibuprofen-Gel erwiesen.

Arnika-Zubereitungen dürfen niemals innerlich oder unverdünnt angewendet und auch nicht auf offene Wunden aufgebracht werden!

B

Birke(Betula pendula)

Die Birke, die in unseren Breiten als Hänge- bzw. Weißbirke oder auch als Moorbirke auftritt, gehört mit ihren zarten, hellgrünen Blättern zum typischen Frühjahrsbild in der Natur.
Der Baum kann bis zu 30 Meter hoch und 160 Jahre alt werden.

Zu Heilzwecken werden vor allem die Blätter, aber auch die Rinde bzw. der Rindensaft (Birken-Haarwasser), verwendet. Die Blätter enthalten Flavonoide, darüber hinaus auch Saponine, Gerbstoffe, ätherische Öle und vieles mehr. In der Volksmedizin schätzt man das junge Birkengrün für seine blutreinigenden, harntreibenden und anregenden Effekte. Im Fokus der modernen Pflanzenheilkunde steht die Unterstützung der Nieren-Blasenfunktion, vor allem bei Infekten der abführenden Harnwege. Dem im ätherischen Birkenöl enthaltenen Methylsalicylat wird zudem ein gewisses antientzündliches Potential nachgesagt. Das ätherische Öl ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass frisch geschlagene Birke als Feuerholz verwendet werden kann.

In jüngster Zeit genießt vor allem der Stoff Betulin in der Birkenrinde besondere Aufmerksamkeit, da er sich bei verschiedenen Hauterkrankungen bewährt hat.

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Birke – dekorativ, doch als Heilpflanze kaum bekannt

Beinwell (Symphytum officinale)

Der Echte Beinwell zählt zu den Borretsch- oder Raublattgewächsen. Er wird in unseren Breiten seit über 2000 Jahren als Heilpflanze genutzt. Bereits der lateinische Name Symphytum (von „zusammenwachsen“) sowie der deutsche Name Beinwell („der den Gebeinen gut tut“) weisen auf dessen Anwendungsgebiet hin. Während man ihn früher vor allem bei Knochenbrüchen sowie offenen Wunden angewendet hat, wird heute ausschließlich die äußerliche Anwendung auf intakter Haut empfohlen. Von der in der Volksmedizin früher geläufigen innerlichen Verwendung wird aufgrund des Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden dringend abgeraten.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe in der Wurzel, im Kraut und den Blättern sind neben einer Fülle an Schleimstoffen, Gerbstoffen und Cholin vor allem rund 0,8 Prozent Allantoin.

Die Heilpflanze wirkt entzündungs- und keimhemmend, schmerz- und reizlindernd, abschwellend, gewebsregulierend, wundreinigend und fördert das Zellwachstum sowie die Knochenheilung nach Brüchen.

Das Haupteinsatzgebiet von Beinwellzubereitungen in der Medizin in Form von Salben oder Extrakten, auch als Umschläge, sind Prellungen, Zerrungen sowie Verstauchungen. In der Volksmedizin kommt die Heilpflanze äußerlich auch bei Knochenbrüchen, Schleimbeutel- und Sehnenscheiden-entzündungen, Arthrosen, Arthritis sowie Schmerzen und Schwellungen von Muskeln und Gelenken zum Einsatz.

Bockshornklee (Trigonella foenum graecum)

Der Bockshornklee ist ein Klee-artiger Schmetterlingsblütler, der im Mittelmeerraum, in Vorderasien sowie in Indien und China beheimatet ist. Die Pflanze wird bis zu 50 cm hoch. Sie entwickelt Hülsenfrüchte, die 10 – 20 orange-gelbe, harte Samen enthalten. Diese wurden bereits im klassischen Altertum von den Ägyptern und Griechen als Schleimdroge bei Atemwegserkrankungen und Verdauungsproblemen verwendet.

Die aromatischen Bockshornkleesamen stellen eine Verbindung von Genuss- und Arzneimittel dar. So sind sie in Indien wesentlicher Bestandteil des „Currypulvers“ und werden in Südtirol traditionell als Brot- und Käsegewürz verarbeitet. Von pharmazeutischem Interesse sind vor allem der hohe Gehalt an Schleimstoffen, die Steroidsaponine sowie die Spuren ätherischen Öls in den Samen.

Bockshornkleesamen finden ihren Einsatz insbesondere bei Atemwegserkrankungen sowie zur Verdauungsregelung und Appetitanregung. Aufgrund ihrer Östrogen-wirksamen Komponente wird ihnen auch eine fördernde Wirkung auf die Milchbildung sowie beim Geburtsverlauf zugesprochen. Seit alters her werden die Samen zudem in Stärkungsmitteln für Mensch und Tier zur Überwindung von allgemeinen Schwächezuständen verarbeitet.

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Bockshornklee – nicht nur im Curry unverzichtbar

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel ist eine Heilpflanze, die jeder kennt, aber keiner mag. Denn der Hautkontakt mit den Brennhaaren führt zu den bekannten schmerzhaften Quaddeln. Dabei zeichnet die Nessel eine einzigartige Kombination von Pflanzenwirkstoffen aus.

Die vitale Brennnessel ist reich an Vitaminen (A, Carotin, B2, Panthotensäure, C, K1, Folsäure), Enzymen, Gewebshormonen, Kieselsäure sowie Eisen, Kalium, Calcium und Natrium.

Im Mittelalter nutzte man die Pflanze zur Fertigung von „Nesselstoff“. Heute verwendet die moderne Medizin die Wurzeln zur Herstellung von Präparaten gegen Prostataleiden und das Kraut vor allem gegen Rheuma und Gelenkbeschwerden. Die Brennnessel wird ferner wegen ihrer die Bauchspeicheldrüse anregenden, mild blutdrucksenkenden, entzündungshemmenden, stoffwechselreinigenden und milchbildenden Wirkung geschätzt. Auch bei Ekzemen, Blutarmut und allgemeinen Erschöpfungszuständen kommt sie zur Anwendung. In der Tiermedizin und Tierernährung macht man sich die besonderen, den Stoffwechsel anregenden Eigenschaften dieser Heilpflanze zunutze. Bei den Tieren geht es primär um die vielseitig entzündungshemmenden Qualitäten der Brennnessel, die Anregung der Aufbaukräfte sowie die Stimulation der Nierentätigkeit und die damit forcierte Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten.

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Brennnessel – die ungeliebte Heilpflanze, jedoch einzigartig in der Wirkung

C

Campher (Cinnamomum camphora)

Der Kampferbaum oder Kampferlorbeer ist in Südostasien beheimatet. Er kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Zur Gewinnung des Wirkstoffs „Campher“ (im Folgenden: Kampfer) werden nur Exemplare gewählt, die älter als 50 Jahre sind.

Im China wurde der Kampfer als Ätherisch-Öl-Droge seit alters her für medizinische Zwecke genutzt, während er in unseren Breiten erst im 12. Jahrhundert aufkam. Damals setzte man ihn vor allem als kühlendes Mittel bei Entzündungen ein.

Die wertbestimmenden Inhaltstoffe befinden sich in allen Teilen des Kampferbaums – im Laub, in Zweigen, Stamm- sowie Wurzelholz. Kampfer wird durch Destillation aus dem Holz gewonnen. Weitere Inhaltstoffe sind Terpinenol, Safrol, Cineol und Linalool.

Kampfer wird sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet. Aufgrund seiner belebenden, anregenden Wirkung auf Herz und Gehirn galt Kampfer, innerlich angewendet, lange Zeit als das Mittel bei Kreislaufschwäche, Erschöpfung und Kollaps. Heute ist im Humanbereich noch eine Kombination mit Weißdorn zur Kreislaufanregung in Gebrauch. Doch auch bei Erkältungskrankheiten findet der Kampfer wegen seiner schleim- sowie krampflösenden und zentral anregenden Wirkung auf das Atemsystem Anwendung. Viel verbreiteter ist heutzutage jedoch die äußerliche Anwendung von Kampferzubereitungen aufgrund ihrer stark durchblutungsfördernden Wirkung. Hier stehen Erkrankungen der Bewegungsorgane, der Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln, im Vordergrund. Darüber hinaus werden Kampferpräparate jedoch auch bei Lymphknotenentzündungen, Schwellungen, Fisteln, Geschwüren, stumpfen Verletzungen sowie klinischen und subklinischen Euterentzündungen der Nutztiere eingesetzt.

D

Dill (Anethum graveolens)

Der Dill, auch als Gurkenkraut bekannt, ist ein Doldenblütler, der ursprünglich aus Vorderasien stammt.

Bereits im klassischen Altertum machte man sich die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung des Samenöls zunutze. Im Mittelalter wurde der Dill bei uns in Klostergärten kultiviert und bei ganz verschiedenen Leiden eingesetzt. Er kam bei Verdauungsstörungen, wie zum Beispiel Magen-Darm-Krämpfen, bei Kopfschmerzen, zur Anregung der Milchbildung, zur Nervenberuhigung und zur Unterstützung des Schlafes zum Einsatz.

In der Gegenwart findet der Dill bei uns fast nur noch als Gewürzkraut Verwendung. Die Volksmedizin empfiehlt ihn darüber hinaus in Form von Tee als Sitzbad gegen Gebärmutterkrämpfe. In den Dillsamen sind bis zu 8% ätherische Öle enthalten, vor allem Carvon und Limonen, sowie Cumarin- und Kaffeesäurederivate. Diese Inhaltsstoffe sind für die verdauungsanregende, blähungstreibende und krampflösende Wirkung im Verdauungstrakt, ähnlich wie beim Kümmel, verantwortlich.

Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass Dillsamen progesteronfördernd sind, was die in der Volksmedizin beschriebene Anwendung bei Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit stützen würde. Auch eine Wirkung auf das Immunsystem wird diskutiert.

E

Eukalyptus (Eucalyptus globulus)

Der Eukalyptusbaum ist ein Myrtengewächs, das bis zu 80 m Höhe erreichen kann. Er kommt in mehreren Hundert verschiedenen Arten vor. Als Heilpflanze wird der Blaue Eukalyptus genutzt. Ursprünglich stammt er aus Tasmanien sowie dem Süden Australiens und gelangte erst mit den Reisen von James Cook gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu uns. Heute wird Eukalyptus weltweit in warmen Klimaten angebaut.

Die wertbestimmenden Inhaltstoffe des Eukalyptus befinden sich in den aromatisch riechenden, blau-grünen Blättern. Diese enthalten 1,5 bis 3,5% ätherisches Öl mit dem Hauptwirkstoff Cineol (70-80%). Darüber hinaus enthalten die Eukalyptusblätter Gerbstoffe und Flavonoide. Zubereitungen aus Eukalyptusöl werden sowohl äußerlich bei Erkrankungen der Atemwege und rheumatischen Beschwerden wie auch innerlich und inhalativ bei Erkältungen angewendet.

Das ätherische Öl wirkt bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege und Bronchitis stimulierend auf das Flimmerepithel, welches die Atemwege auskleidet, und erleichtert damit das Abhusten des Schleims. Darüber hinaus hat das Eukalyptusöl eine krampflösende und stark antibakterielle Wirkung, weshalb es sich zum Verdampfen und Inhalieren bei Erkältungen eignet. Äußerlich wird das ätherische Öl des Eukalyptusbaums wegen seiner stark durchblutungsfördernden, entzündungshemmenden und lokal schmerzlindernden Wirkungen geschätzt. Auf der Haut wird dabei ein kühlender Effekt wahrgenommen.

Bei Asthma und der Lungenerkrankung COPD kann Eukalyptusöl unter ärztlicher Aufsicht als begleitende Therapie angewendet werden und dem Patienten Linderung verschaffen. Eukalyptusöl soll ferner blutdrucksenkend und harntreibend wirken. Die traditionelle Medizin sagt diesem ätherischen Öl zudem eine mild entwurmende Wirkung nach.

F

Fenchel (Foeniculum vulgare)

Der Fenchel ist ein Doldenblütler und ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Er kann bis zu 2 Meter Höhe erreichen. Uns ist der Fenchel heute sowohl als Heil- wie auch als Gewürzpflanze vertraut. Die Wurzelknolle wird darüber hinaus als Gemüse verwendet.

Schon in den Hochkulturen der Antike waren die Fenchelfrüchte, die „Fenchelsamen“, als Heilmittel bekannt. Später schrieb dann Kaiser Karl der Große den Anbau des Fenchels nördlich der Alpen vor. Die großen Ärzte des Mittelalters sowie der beginnenden Neuzeit verweisen auf den Fenchel als besondere Heilpflanze gegen vielfältige Gesundheitsstörungen. Pfarrer Kneipp lobt die Wirkung des Fenchel-Tees vor allem bei Husten, Lungenleiden und als krampflösendes Mittel bei Keuchhusten und Asthma.

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind in den süßlichen Fenchel-Früchten, die einen sehr hohen Anteil an ätherischen Ölen (50 – 70 % Anethol, 12 – 18 % Fenchon) enthalten, zu finden. Diese besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Fenchel wird vor allem als bewährtes, beruhigendes Hustenmittel eingesetzt, da er schleimlösend und entkrampfend auf die Bronchien wirkt. Darüber hinaus regt Fenchel die Verdauungsdrüsentätigkeit sowie den Appetit an und ist blähungstreibend. Ebenso wie der Anis wirkt auch der Fenchel milchbildungsfördernd. Er wird daher gern von stillenden Frauen in Form von Fencheltee angewendet.

G

Gelbwurzel (Curcuma longa)

Die auch Kurkuma oder Gelber Ingwer genannte Gelbwurzel ist eine Pflanzenart innerhalb der Ingwergewächse und stammt ursprünglich aus Südasien. Die kräftigen, knollenförmigen Rhizome sind intensiv gelb und werden im geschälten Zustand frisch oder getrocknet als Gewürz, Farbstoff oder Heilpflanze verwendet. In unseren Breiten ist die Gelbwurzel vor allem als wesentlicher Bestandteil des Currypulvers bekannt, in der modernen Küche auch vermehrt als einzelnes Gewürz.

Es gibt mehrere Arten der Gelbwurzel, die entweder vorrangig als Gewürz oder als Heilmittel verwendet werden. Kurkuma enthält bis zu 5% ätherische Öle, u.a. Zingiberen und Tumeron, sowie bis zu 3% Curcumin.

Kurkuma wird in der traditionellen Medizin Indonesiens sehr vielfältig eingesetzt, unter anderem zur Immunstärkung, bei Atemwegserkrankungen, Ausschlägen sowie zur Infektvorbeuge. Die Araber brachten die Gelbwurzel im Mittelalter nach Europa, wo sie zunächst ausschließlich als Gewürz Verwendung fand.

Medizinisch wird Kurkuma bei uns heute vor allem zur Unterstützung der Galleproduktion angewendet. Auch als Cholesterinsenker und Heilpflanze mit Leberschutzwirkung hat sich Kurkuma bewährt. Diverse klinische Untersuchungen belegen, dass der Inhaltstoff Curcumin krebshemmend, antioxidativ und entzündungshemmend wirkt. Neuere Studien befassen sich mit möglichen Effekten des Curcumin bei Erkrankungen, wie Alzheimer, Parkinson und Mukoviszidose.

Zweifelsohne ist die Gelbwurzel eine Heilpflanze mit großem Potential, von der wir noch viel hören werden. Ein Grund mehr, sie als Gewürz häufiger im Speiseplan zu berücksichtigen.

Ginkgo (Ginkgo biloba)

Der auch unter dem Namen „Tempelbaum“ bekannte Ginkgo wird als lebendes Fossil bezeichnet. Er ist der einzig überlebende Vertreter der Familie der Ginkgoacea, die vor rund 250 Millionen Jahren weltweit verbreitet waren. In unserer Zeit kommt der Ginkgo natürlich nur noch in China und Japan vor, wo man ihn seit Jahrtausenden verehrt und seine Blätter, Samen und Wurzeln medizinisch nutzt. Anfang des 18. Jahrhundert gelangte der Ginkgo zunächst als Zierpflanze nach Europa. Seine Heilkraft entdeckten die Europäer erst Mitte der 1960er Jahre, als der erste Ginkgo-Spezialextrakt entwickelt wurde und zahlreiche wissenschaftliche Studien folgten.

In der westlichen Kultur werden ausschließlich die breit fächerförmigen, mittig gelappten Blätter medizinisch genutzt, um daraus Extrakte zu gewinnen. Ihre wertbestimmenden Inhaltstoffe sind vor allem Flavonglykoside, Terpenlaktone und Ginkgolsäuren.

Es existiert eine Fülle klinischer und experimenteller Studien zur Heilkraft des Ginkgos, die im Wesentlichen seine Wirkung auf das Gehirn sowie die Blutgefäße untermauern. Ginkgoextrakt schützt die Nervenzellen und Mitochondrien, steigert die Gedächtnisleistung (Demenz), hemmt traumatisch bedingte Hirnödeme und wird u.a. bei Gleichgewichtsstörungen sowie Tinnitus eingesetzt. Ginkgo verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und fördert die Durchblutung vor allem im Bereich der Mikrozirkulation.

Daher kommt der Ginkgo in Form von Fertigpräparaten in der Tiermedizin nicht nur bei Hirnleistungsstörungen sowie Ohrrandnekrosen von Kleintieren, sondern vor allem auch bei Huf- und Klauenrehen sowie bei Gelenksproblemen von Großtieren erfolgreich zum Einsatz.

H

Hanf (Cannabis sativa)

Der Hanf gehört zur Familie der Hanfgewächse und stammt ursprünglich aus Zentralasien. Seit über 10.000 Jahren wird er als Faser- und Futterpflanze genutzt, darüber hinaus als Öllieferant, Heil- und Rauschmittel. Für Arznei- und Drogenzwecke verarbeitet man lediglich die Hanfblüten und Triebspitzen der weiblichen Pflanzen.

In unserem Kulturkreis wurde der Hanf in der Klostermedizin ab dem 11. Jahrhundert bekannt. Man setzte ihn damals vor allem als Heilmittel bei Schmerzen, Gicht und Rheuma ein. Später wurde er auch bei Migräne verwendet. Mit dem Aufkommen synthetischer Schmerzmittel in der Mitte des 20. Jahrhunderts geriet der Hanf aus dem Fokus der Medizin. Erst in jüngster Zeit steigt erneut das Interesse an dieser Heilpflanze.

Die wertbestimmenden Inhaltstoffe des Hanfs sind über 80 verschiedene Cannabinoide, darunter das Tetrahydrocannabinol (THC), ätherische Öle, Phenole, Harze und Flavonoide. Nur der Medizinalhanf enthält psychoaktive Substanzen (THC). Aus dessen getrockneten harzhaltigen Triebspitzen und Blüten wird das Marihuana hergestellt, das Haschisch dagegen aus dem extrahierten Harz. THC ist eine verschreibungspflichtige Substanz, die in jüngster Zeit bei bestimmten Tumorerkrankungen als Mittel gegen Schmerzen, bei Brechreiz infolge der Chemotherapie, gegen Appetitlosigkeit sowie als Muskelrelaxans bei Multipler Sklerose angewendet wird.

Der Kultur- bzw. Nutzhanf zur Gewinnung von Fasern und ölreichen Samen enthält weniger als 0,2% der berauschenden Substanz THC. Doch der rauschmittelfreie Nutzhanf hat ebenfalls ein breites Spektrum an medizinischen Wirkungen, wie zahlreiche Studien zeigen. Vor allem die Substanz Cannabidiol (CBD) rückt hier in den Vordergrund. Sie hat antientzündliche, schmerzlindernde, angstlösende sowie den Brechreiz hemmende Effekte. Besonders interessant für die Forschung sind derzeit zudem die pharmakologischen Wirkungen bei Arteriosklerose, bei Krampfanfällen (Epilepsie) sowie die Beeinflussung des Immunsystems. Auch ein Schutz von Nervenzellen ist durch Cannabidiol zu erzielen.

J

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Das Johanniskraut zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas. Seine Heilkraft wurde bereits von Hippokrates, der als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt, um 400 vor Christus genutzt. Im Mittelalter war es der Arzt Paracelsus, der intensiv die Heilwirkung des Johanniskrauts beschrieb.

Die wertvolle Heilpflanze wächst meist an sonnigen, oftmals steinigen Plätzen. Um den Johannitag (24. Juni) blüht sie mit gelb leuchtenden Blütenstauden. Der tief blutrote Saft, der beim Zerquetschen der Knospen und Blüten hervortritt, wird in der Heilkunde besonders geschätzt.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe dieser Pflanze sind vor allem das Hypericin und das Hyperforin sowie Flavonoide. In den letzten 30 Jahren hat sie ein kometenartiges Comeback als Phytotherapeutikum zur oralen Einnahme bei verschiedenen Formen der Depression erfahren.

Äußerlich wird Johanniskraut in Form von öligen Extrakten (Johanniskrautöl, Rotöl) bei Mensch und Tier eingesetzt. Man nutzt vor allem die entzündungshemmende, durchblutungsfördernde, antibakterielle und antivirale Wirkung zur Wundbehandlung bei Schürfwunden, Hautverbrennungen, auch Sonnenbrand, und Entzündungen, als Einreibung bei rheumatischen Schmerzen und zu Sportmassagen. In Tierversuchen hat man zudem stressmildernde und angstlösende Effekte feststellen können.

K

Kamille (Matricaria chamomilla)

Die in ganz Europa heimische Echte Kamille ist wohl eine der beliebtesten Heilpflanzen in Deutschland. Der Korbblütler, der gern auf Getreidefeldern wächst, ist keinesfalls das „Unkraut“, als das es oft wahrgenommen wird. Bereits in der Antike wurde die Kamille aufgrund ihrer vielseitigen Heilwirkung geschätzt. Die nordischen Völker weihten die Kamille als heilige Pflanze ihrem Sonnengott Baldur.

Die Echte Kamille ist im Unterschied zur Hundskamille am hohlen Blütenkörbchen zu erkennen. Nur die aromatischen Blüten der Echten Kamille werden medizinisch als Teeaufguss oder Tinktur verwendet.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Kamillenblüten sind 0,3 – 1,4 % ätherisches Öl, bis zu 6 % Flavonoide sowie Pektine und Schleimstoffe. Bei der Destillation der Kamillenblüten bildet sich ein zäh fließendes, dunkelblaues ätherisches Öl. Dessen Hauptbestandteile sind das Azulen („azur“ = blau) und das Bisabolol. Auf diesen beiden Komponenten im ätherischen Öl beruhen die entzündungshemmenden Eigenschaften der Kamille. Auch Bakterientoxine können von dem ätherischen Öl der Kamille inaktiviert werden. Des Weiteren wirkt das Öl entkrampfend im Magen-Darm-Trakt und stark desinfizierend. Daher werden Zubereitungen aus der Heilpflanze gern zur Wunddesinfektion, zur Förderung der Wundheilung und auch zur Spülung bei Schleimhaut- und Zahnfleischverletzungen sowie bei Ekzemen und Geschwüren verwendet. Wässrige Kamillen-Zubereitungen, die vor allem die Flavonoide enthalten, eignen sich hervorragend bei Erkrankungen, wie Magen-Schleimhautentzündungen, Dünn- und Dickdarmentzündungen, Gallenwegserkrankungen und Blähungen. Auch immunstimulierende Wirkungen werden der Kamille zugesprochen. Bei Erkältungen und gereizten Atemwegen wird gern auf die Inhalation von Kamillendämpfen gesetzt.

Laut einer Studie hat die Kamille zudem angstlösende beruhigende Effekte. Das dafür zuständige Flavonoid Apigenin spricht die entsprechenden Regionen im Hirn ebenso gut wie chemisch-synthetische Präparate an.

Kein Wunder, dass das Multitalent Kamille zu den bei uns meistgenutzten Heilpflanzen zählt.

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Kamille – das unterschätzte Multitalent, nicht nur bei Unwohlsein

Koriander (Coriandrum sativum)

Der Koriander ist ein Doldengewächs, das ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum und Vorderen Orient beheimatet ist. Die einjährige Kulturpflanze ist uns als Gewürz- sowie Heilpflanze bekannt. Bereits in der Antike wurde sie von Ärzten unter anderem bei Verbrennungen, schlecht heilenden Wunden sowie als Entwurmungsmittel angewendet.

Während das Kraut vor allem in der asiatischen Küche gebräuchlich ist, werden die angenehm duftenden Früchte des Echten Korianders neben ihrer Verwendung in Currymischungen medizinisch genutzt. Die wertbestimmenden Inhaltstoffe der kleinen, kugeligen Früchte sind der 1,5%ige Anteil ätherischen Öls mit 60-70% Linaloon, ferner 20% fettes Öl, 15% Eiweiß und Kaffeesäurederivate. Die traditionellen Anwendungsgebiete für die Koriandersamen, meist als Teezubereitung, sind im Bereich der Verdauung zu suchen. Sie fördern die Magensaftsekretion, wirken appetitanregend, blähungstreibend und leicht entkrampfend. Darüber hinaus wird ihnen eine antioxidative sowie entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, die vor allem bei chronischen Entzündungen hilfreich sein soll. Zudem werden juckreizmildernde und blutdrucksenkende Effekte beobachtet.

In jüngerer Zeit ist man auf einen anderen, in Zeiten zunehmender Antibiotikaresistenzen sehr bedeutsamen Aspekt des Korianderöls aufmerksam geworden. Die moderne Forschung hat in zahlreichen klinischen Studien äußerst potente keimhemmende Eigenschaften gegen diverse Bakterien und Pilze feststellen können. Bereits geringe Dosierungen dieses ätherischen Öls waren in der Lage, auch multiresistente Krankenhauskeime (MRSA) abzutöten. Gegen Salmonellen erwies sich Korianderöl im Labor als doppelt so stark in der Wirkung wie das standardmäßig eingesetzte Gentamycin.

Diese Studien erklären auch die guten klinischen Erfolge von Korianderöl-Zubereitungen bei superinfizierten Ekzemen, Candidosen, Mykosen, Grindflechten und Haarbalgentzündungen.

Der Koriander ist eine Heilpflanze, von der man vermutlich noch viel hören wird.

Kümmel (Carum carvi)

Der Kümmel ist uns vor allem als aromatisches Küchengewürz für schwer verdauliche Speisen vertraut. Andererseits ist er in unseren Breiten auch eine altbewährte geschätzte Heilpflanze.

Unter den drei Doldenblütlern Anis, Fenchel und Kümmel ist er das Gewürz mit der stärksten Wirkung gegen Blähungen und Magen-Darm-Krämpfe. Von den dreien ist der Kümmel zudem die Pflanze mit der nördlichsten Verbreitung. So hat man ihn bei uns in jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlungen gefunden, während er den Ärzten der Antike unbekannt war.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Kümmelpflanze befinden sich in den harten Samen, die bis zu 3 % ätherische Öle enthalten. 50 – 60 % davon fallen auf das Carvon, über 30 % auf das Limonen. Darüber hinaus enthalten die dunklen Kümmelfrüchte Flavonoide.

Kümmel ist blähungstreibend, krampflösend, gärungswidrig, er fördert die Durchblutung der Magen-Darm-Schleimhaut und wirkt darüber hinaus antimikrobiell sowie antioxidativ. Blähungen, Koliken und Magen-Darm-Krämpfe sind das Haupteinsatzgebiet für den Doldenblütler. Er regt zudem den Appetit, die Verdauung und den Gallefluss an. Daher ist er auch in Form von Kümmelschnaps („Köm“) beliebt.

Eine weitere interessante Wirkung des Kümmels ist die Förderung der Milchbildung. Vielen jungen Müttern wird der „Milchbildungstee“ aus Anis, Fenchel und Kümmel ein Begriff sein. Auch beim Vieh ist der Kümmel sehr begehrt.

Man verwendet die Kümmelfrüchte im Hausgebrauch meist gequetscht als Tee oder Aufguss, als Pulver zum Einnehmen oder man zerkaut sie. Aus den angestoßenen Samen werden auch alkoholische Tinkturen zubereitet oder es wird das ätherische Kümmelöl angewendet.

Webinar-Aufzeichnung

Kümmel – vertrautes Gewürz mit Heilkraft

L

Lein (Linum usitatissimum)

Der Gemeine Lein oder Flachs gehört zu den Leingewächsen. Er ist eine der ältesten Kulturpflanzen, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, Vorderasien und Nordafrika stammt. Der Lein wurde über die Jahrtausende hinweg sowohl zur Gewinnung der Flachsfasern als auch des Leinöls genutzt.

Zu diätetischen Zwecken werden heute die Leinsamen, ganz oder geschrotet, sowie das daraus gewonnene Leinöl verwendet. Die Leinsamen sind mit rund 25% reich an Ballaststoffen. Sie enthalten darüber hinaus 30-45% fettes Öl mit einem hohen Anteil an den ungesättigten Fettsäuren Linol- und Linolensäure. Der Schleimstoffgehalt der Samen kann je nach Sorte in einer Größenordnung zwischen 3-19% liegen. Beim Lein handelt es sich um eine klassische Füll- und Quellstoffdroge.

Die Leinsamen regen nach oraler Aufnahme die Darmperistaltik an und wirken abführend. Die in ihnen enthaltenen Schleimstoffe agieren reizmildernd und schleimhautschützend. Sie kommen daher sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall, bei Reizmagen, Gastritis und entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz. Mit ihrer Eigenschaft als Ballaststoffe in der Ernährung wirken die Samen des Leins zudem absenkend auf die Blutfettwerte. – In der Volksheilkunde werden Leinsamen auch äußerlich als wärmende Umschläge bei Muskelschäden (z.B. Kreuzverschlag beim Pferd) sowie zur Abszessreifung angewendet.

Das hochwertige Leinöl, welches reich an Omega-3-Fettsäuren ist, wirkt mild abführend und reizmildernd. Aufgrund seines Gehalts an ungesättigten Fettsäuren ergeben sich des Weiteren antientzündliche Effekte. Darüber wird die Wirksamkeit des Öls gegen Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose) diskutiert.

Zu den diätetischen Auswirkungen von Leinsamen und Leinöl in der Ernährung wird derzeit intensiv geforscht. Dabei hat man u.a. Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- sowie Krebserkrankungen und Menopausebeschwerden im Blick.

M

Mädesüß (Spiraea ulmaria)

Das Mädesüß ist ein aromatisches krautiges Rosengewächs, das bei uns häufig auf feuchten Wiesen und an Bachläufen gedeiht. Der Name soll von dem nach der Mahd entströmenden süßlichen Duft herrühren.

Das auch Spierkraut genannte Mädesüß ist eine alte Heilpflanze, zu der es jedoch kaum schriftliche Überlieferungen gibt. In Frankreich und Belgien hat man die Blüten früher auch zum Aromatisieren von Süßspeisen sowie von Wein verwendet.

Für Heilzwecke werden vor allem die Blüten, aber auch die oberen Krautpartien verwendet. Sie enthalten ätherisches Öl, das sich aus rund 75 % Salicylaldehyd und Salicylsäuremethylester zusammensetzt, zusätzlich bis zu 5 % Flavonoide sowie Gerbstoffe. Die Salizylate, die übrigens auch in der Weidenrinde vorkommen, waren in der Arzneimittelforschung Vorbild für die Entwicklung von Acetylsalicylsäure (ASS). Der bekannteste Vertreter, das Aspirin®, leitet seinen Markennamen vom lateinischen Namen des Mädesüß ab. Die Salizylate als natürliche Vorlage sind deutlich besser verträglich als ASS, da die Verstoffwechselung zur Salicylsäure, die schädigend auf die empfindliche Magenschleimhaut einwirken kann, erst in der Leber erfolgt.

Die Heilpflanze wirkt entzündungshemmend, zusammenziehend, fiebersenkend und harntreibend. Es werden auch keimtötende und schmerzlindernde Effekte beschrieben. In Folge dessen wird das Mädesüß vor allem bei Erkältungskrankheiten mit Fieber, bei Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden, Gicht, Nieren- und Blasenerkrankungen sowie bei Ödemen angewendet.

Mariendistel (Silybum marianum)

Die dekorative Mariendistel mit ihrem Blütenkorb aus einem üppigen Büschel violetter Röhrenblüten ist ursprünglich in Südeuropa und Nordafrika beheimatet.

Auf dem Blütenboden der in Frankreich auch als „Wilde Artischocke“ bezeichneten Pflanze reifen die schwarzglänzenden, hartschaligen Samen. In diesen sind neben dem fetten Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren als wertbestimmende Inhaltsstoffe vor allem Flavonoide zu finden. Der leberwirksame Stoffkomplex Silymarin macht bis zu 3 % aus.

Die Früchte der Mariendistel wirken bei Lebervergiftungen und -problemen entzündungshemmend, membranstabilisierend und zellmembranschützend, antioxidativ, immunmodulierend sowie antifibrotisch. Silymarin wird in der Schulmedizin als das Leberschutzmittel bei Vergiftung durch den Knollenblätterpilz eingesetzt. Die Phytotherapie nutzt die Heilkraft der Mariendistelsamen zudem in der Regeneration nach vorangegangenen Vergiftungen, bei Verdauungsstörungen, Lebererkrankungen unspezifischer Ursache sowie bei Fettlebersyndrom. Heute gibt es daher wohl kein volkstümliches Leber-Galle-Mittel ohne Mariendistelauszüge.

In der Tiermedizin macht man sich die besonderen Eigenschaften dieser Heilpflanze zur Entlastung gestörter Leberfunktionen, die zum Beispiel durch Eiweißüberversorgung, Stoffwechselerkrankungen oder Mykotoxine im Futter entstanden sein können, zu Nutze.

Melissse (Melissa officinalis)

Der ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatete Lippenblütler wird aufgrund seines aromatischen Dufts auch als „Zitronenmelisse“ bezeichnet. Wir verwenden das frische Kraut zum Würzen in der Küche, doch die Melisse ist zudem eine kraftvolle Heilpflanze.

Ihre wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind bis zu 0,8 % ätherisches Öl, etwa 4 % Lamiaceen-Gerbstoffe (u. a. mit Rosmarinsäure und Kaffeesäure) sowie Flavonoide.

Die Melisse wirkt beruhigend, blähungstreibend, entkrampfend, antiviral und schwach antibakteriell. Sie kommt daher vorwiegend bei unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden, nervös bedingten Einschlafstörungen sowie nervösen Herzbeschwerden zum Einsatz. In der Volksmedizin setzt man Melissenzubereitungen auch bei Wechseljahrsbeschwerden ein. Für den Hausgebrauch wird meist eine Teezubereitung angewendet, medizinisch verwendet man standardisierte Flüssig- oder Trockenextrakte sowie Frischpflanzenpresssaft.

Experimentelle und klinische Studien belegen, dass Melissen-Extrakte gegen Herpes-simplex-Infektionen (Lippenherpes) wirken. Melissen-Tee soll, neueren britischen Untersuchungen zufolge, das Gedächtnis stärken und die Aufmerksamkeit erhöhen können.

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Melisse – aromatisch duftend und vielseitig verwendbar

O

Oregano (Origanum vulgare)

Das Oreganokraut, auch Dost, Dorst oder Wilder Majoran genannt, ist den meisten von uns als typisches Pizzagewürz bekannt. Der Lippenblütler stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird bei uns fast nur als mediterranes Gewürz verwendet.

Schilderungen zur Heilanwendung des Oregano aus der Antike oder dem Mittelalter sind unzuverlässig, da meist botanisch nicht eindeutig zugeordnet werden kann, um welche Pflanze der Gattung es sich handelt.

Das frische Oregano-Kraut enthält relativ viel Vitamin C. Zu Heilzwecken, bei Beschwerden im Verdauungstrakt und in den Atemwegen, verwendet man vor allem das getrocknete Kraut als Tee oder den Extrakt. Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe im Oregano sind ätherische Öle, darunter Thymol und Carvacrol, sowie Gerb- und Bitterstoffe. Die ätherischen Öle wirken stark keimtötend und entzündungshemmend. Der hohe Anteil an Phenolen hat eine antioxidative Wirkung, die Bitterstoffe und Öle regen den Appetit an.

Produkte auf Oregano-Basis werden in den letzten Jahren verstärkt in der Tierernährung eingesetzt.

P

Pfefferminze (Mentha x piperita)

Die Pfefferminze, ein Lippenblütler, ist ein Bastard der Krauseminze, der im 17. Jahrhundert in England unvermittelt entstanden ist. In der freien Natur kommt die Pfefferminze, die heute als Heil- und Gewürzpflanze aufgrund ihres hohen Mentholanteils sehr beliebt ist, ursprünglich nicht vor. Dagegen werden andere Minzen und ihre Anwendung in der Literatur der Antike und des Mittelalters beschrieben.

Heute wächst das frisch-aromatische Kraut bei uns in vielen Gärten und wird aufgrund seiner Beliebtheit und breiten medizinischen Anwendung in großem Umfang auf Feldern kultiviert.

Das Pfefferminzkraut enthält bis zu 4 % ätherische Öle, unter anderem einen hohen Anteil an Menthol, zusätzlich Cineol und Limonen. Darüber hinaus sind vor allem Flavonoide und Gerbstoffe in der Heilpflanze zu finden.

Die Inhaltsstoffe wirken verdauungsfördernd, appetitanregend, krampflösend, galletreibend, keimtötend, entzündungshemmend, lokal schmerzlindernd und allgemein kräftigend.

Innerlich werden die Heilpflanze und ihr ätherisches Öl vor allem bei Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, Übelkeit und Erkältungen eingesetzt. Äußerliche Anwendung findet die Pfefferminze unter anderem bei Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen, lokalem Juckreiz (z. B. Mückenstiche) und Kopfschmerz. Klinische Studien haben gezeigt, dass das Auftragen des Pfefferminzöls auf Stirn und Schläfen durch den Kältereiz ebenso effektiv gegen Spannungskopfschmerz wirkt, wie zwei Tabletten Paracetamol.

Pfefferminzzubereitungen sind bei Erkältungen auch als Inhalationen zur Erweiterung der Atemwege und für das erleichterte Abhusten sehr beliebt.

R

Ringelblume (Calendula officinalis)

Die Ringelblume, die in keinem Bauerngarten fehlen darf, stammt vermutlich ursprünglich aus der Mittelmeerregion. Der einjährige Korbblütler hat jedoch auch bei uns eine lange Tradition als wertvolle Heilpflanze.

Im 12. Jahrhundert beschreibt Hildegard von Bingen die Ringelblume in ihren medizinischen Schriften sehr umfassend. Während die Anwendung im Mittelalter vor allem innerlich bei Leber-Galle-Problemen und Übelkeit erfolgte, setzen wir die Calendula heute vorwiegend äußerlich zur Behandlung von Wunden, Entzündungen von Haut und Schleimhaut sowie Verletzungen ein.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind in den Blütenblättern zu finden. Es handelt sich vor allem um Flavonoide, Saponine, Karotinoide und ätherisches Öl. Die Aufbereitung der Blüten erfolgt als Abkochung, Tinktur, Salbe oder Öl.

Auszüge der Ringelblume wirken keimtötend auf Bakterien, Viren und Hautpilze, sind entzündungshemmend, fördern die Wundheilung sowie Hautneubildung und gelten zudem als gewebsentwässernd. Die Calendula ist daher die Heilpflanze per se bei Riss-, Quetsch- oder Brandwunden, eitrigen Geschwüren, Haut- und Schleimhautschäden.

Rosmarin (Rosmarin officinalis)

Der Rosmarin aus den felsigen Küstenregionen des Mittelmeerraums ist uns vor allem als Gewürzpflanze vertraut. Der immergrüne buschige Strauch kann bis zu 2 Meter Höhe erreichen, er verströmt einen intensiv aromatischen Duft.

In der Naturheilkunde werden die nadelartigen Blätter sowie das daraus gewonnene Rosmarinöl verwendet. Die Wirkstoffe sind vor allem das kampferähnliche ätherische Öl sowie Harze, Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe. In unseren Breiten wird der Rosmarin seit dem Mittelalter geschätzt, mit Sebastian Kneipp erlebte er eine Wiederbelebung.

Haupteinsatzgebiete bei innerlicher Anwendung sind insbesondere die Aktivierung des Herz- / Kreislauf-Systems, die Appetit- und Verdauungsanregung, eine Stimulation der Blutzufuhr der Unterleibsorgane sowie eine allgemeine Stärkung des Organismus nach Erkrankungen sowie nervösen Erschöpfungszuständen. Äußerlich finden Rosmarinzubereitungen aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht und Kreislaufbeschwerden Anwendung.

Erst in jüngerer Zeit hat man das hohe antioxidative, zellschützende Potential des Rosmarinextrakts entdeckt. Darüber hinaus konnte man für das Rosmarinöl eine keimtötende Wirkung nachweisen, die um ein Vielfaches stärker ist als die von Phenol.

S

Salbei (Salvia officinalis)

Der Lippenblütler aus der Mittelmeerregion wird bei uns gern als Küchenkraut verwendet. Bereits sein lateinischer Name „Salvia“, von „salvare“ (= heilen), verweist auf die immense Heilkraft der Pflanze. Sie galt vielen daher über Jahrhunderte hinweg als Allheilmittel.

Die arzneilich genutzten Blätter enthalten als wertbestimmende Inhaltsstoffe 1 – 2,5 % ätherisches Öl, bis zu 8 % Lamiaceen-Gerbstoffe (u.a. Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Steroide und Flavonoide.

Die Heilpflanze wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze. Sie hat zudem eine entzündungshemmende, zusammenziehende, sekretionsfördernde, schweißhemmende, appetitanregende, zellschützende und schwach blutzuckersenkende Wirkung. Das Haupteinsatzgebiet des Salbeis sind Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, unspezifische Magen-Darm-Beschwerden sowie vermehrte Schweißbildung. Klinische Studien dokumentieren darüber hinaus die Wirkung des Salbeiextrakts gegen Lippenherpes. Darüber hinaus ist der Einsatz gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren belegt.

In der Volksmedizin sind Salbei-Zubereitungen gegen Heiserkeit, Husten und Erkältung, als Beruhigungs- und allgemeines Stärkungsmittel, bei Blutungen, Zahnschmerzen und zur Wundheilung beliebt.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise auf weitere, mögliche Einsatzgebiete dieser Heilpflanze. So soll der Salbei einen senkenden Einfluss auf die Blutfettwerte haben, bei Angststörungen helfen können und möglicher Weise die Symptome bei leichteren Formen von Alzheimer lindern sowie die geistigen Fähigkeiten steigern können.

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Salbei – mehr als schmackhafte Zutat für Saltimbocca

Schachtelhalm (Equisetum arvense)

Schachtelhalme sind weltweit verbreitet und „lebende Fossilien“ aus Urzeiten, als ganze Schachtelhalmwälder mit bis zu 30 m hohen Bäumen die Erde bedeckten. Aus botanischer Sicht gehören die Schachtelhalme zu den Farnen. Der Ackerschachtelhalm, der bei uns vorkommt, wird meist nur als Ackerunkraut wahrgenommen, obwohl er eine wertvolle Heilpflanze ist.

Die auch als Zinnkraut bekannte Pflanze hat aufgrund ihres Kieselsäuregehalts eine abrasive Wirkung und wurde daher früher als Scheuermittel zum Putzen von Zinngeschirr verwendet.

Bis zu 10 Prozent Kieselsäure und Flavonoide, viele Mineralien und eine geringe Menge an Alkaloiden gehören zu den wertbestimmenden Inhaltstoffen des Ackerschachtelhalms. Sie wirken schwach harntreibend, bindegewebsfestigend, hautstoffwechselanregend, antioxidativ sowie leberschützend.

Die Heilpflanze kommt daher primär bei Durchspülungstherapien gegen Entzündungen der abführenden Harnwege sowie Nierengrieß, Ödemen und schlecht heilenden Wunden zum Einsatz. Die Erfahrungsheilkunde verwendet die Pflanze zusätzlich bei leichten Katarrhen der Atemwege, bei Gicht und Rheuma, zur Blutstillung, bei Krätze, Blähungen, Durchfall – und früher auch bei Tuberkulose.

In Studien hat man antimikrobielle Wirkungen, u.a. auf Parainfluenzaviren, nachweisen können. Auch stärkende Effekte auf das Immunsystem sind belegt.

Die moderne Naturkosmetik bedient sich in zunehmendem Maß des Schachtelhalms zur Stärkung von Haut, Haaren und brüchigen Fingernägeln.

Schafgabe (Achillea millefolium)

Die Schafgarbe ist ein Korbblütler, der auf trockenen Wiesen sowie an Ackerrändern wächst und in ganz Europa verbreitet ist. Das komplette Kraut mit den feingliedrigen Blättern, dem Stängel sowie dem weißen Blütenschirm, der Scheindolde, wird als Arznei- und Teepflanze verwendet.

Die Hauptinhaltsstoffe der Schafgarbe sind Gerbstoffe, Flavonoide, ätherische Öle (mit Azulen) sowie eine Reihe von Mineralstoffen.

Aufgrund ihrer zusammenziehenden, blutstillenden und antibakteriellen Eigenschaften war die Schafgarbe von der Römerzeit bis noch zum zweiten Weltkrieg als „Soldatenkraut“ bekannt, mit dem auf den Schlachtfeldern die Wunden versorgt wurden. Der Sage nach soll auch Achilles, der Held des trojanischen Krieges, das Schafgarbenkraut zur Wundheilung verwendet haben, worauf der lateinische Name der Pflanze hinweist.

Heutzutage wird die Schafgarbe vor allem innerlich eingesetzt. Hierbei stehen meist die Anregung und Regulierung der Magen-Darmtätigkeit sowie Galle- und Nierenfunktion im Vordergrund. Ähnlich wie die Kamille kann die Schafgarbe auch eine wertvolle Hilfe bei Entzündungen sein. In der Volkskunde schreibt man dem bitter-aromatischen Kraut zudem eine den Kreislauf stabilisierende Wirkung zu.

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Schafgarbe – „Die kleine Schwester der Kamille“

Spitzwegerich (Plantago Lanceolata)

Der bekannte Spitzwegerich ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Er wächst an Wegrändern und auf Wiesen. Die Heilpflanze aus der Familie der Wegerichgewächse kann eine Höhe von bis zu 40 cm erreichen.

Für medizinische Zwecke wird das ganze Kraut verwendet. Seine wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind 2 – 3 % Iridoide (Glykoside), bis zu 6 % Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und ätherisches Öl. Während die Schleimstoffe reizmildernd wirken, die Gerbstoffe zusammenziehend, agieren die Iridoide antibakteriell. Des Weiteren hat der Spitzwegerich entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Er regt zudem die Interferonbildung im Körper an und erhöht damit in den Luftwegen die Abwehrkraft gegen Viren.

Hauptanwendungsgebiete für Zubereitungen aus Spitzwegerich (zerkleinerte Droge, Fluidextrakt oder Frischpflanzenpresssaft) sind Katarrhe in den Atemwegen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und entzündete Hautveränderungen.

In der Volksmedizin hat der Spitzwegerich jedoch nicht nur eine lange Tradition als Hustenmittel. Gequetschte Blätter, direkt auf offene Wunden gelegt, wirken blutstillend und dienen zur ersten Wundversorgung. Auch gegen Insektenstiche wird die Heilpflanze gern verwendet.

Süßholz (Glycyrrhiza glabra)

Das Süßholz ist ein ausdauernder Strauch aus der Familie der Schmetterlingsblütler, der ursprünglich in der Mittelmeerregion beheimatet ist. Aus den getrockneten, geschälten Wurzelausläufern, der Süßholzwurzel, wird durch Auskochen und Eindicken der Süßholzsaft gewonnen.

Interessante Inhaltsstoffe sind vor allem das Saponin Glycyrrhizin (50 x süßer als Zucker), Phytosterole und zahlreiche Flavonoide.

Schon den Ägyptern und Griechen im Altertum war die Wirkung des Süßholz´ gegen Husten, Heiserkeit und Asthma bekannt. Die Heerscharen Alexander des Großen sollen auf ihren Feldzügen die Wurzel als Durstlöscher gekaut haben. Hildegard von Bingen empfahl die Wurzel bei Lungenleiden und Verdauungsbeschwerden. Auch bei „Magengeschwülsten“ wurde sie eingesetzt.

Heutzutage sind die schleimlösende, auswurffördernde Wirkung sowie die antientzündlichen, krampflösenden Eigenschaften und der Effekt gegen Magengeschwüre belegt. Die Trockendroge sowie der Süßholzwurzel-Extrakt wirken antiviral, antimykotisch und antibakteriell, der Wirkstoff Glycyrrhizin antiallergen, antitumoral und antioxidativ. Es wird der Süßholzwurzel auch nachgesagt, die Anpassungsfähigkeit in Stress-Situationen zu erhöhen.

Der eingedickte Süßholzsaft dient u. a. als Grundstoff für die Herstellung von Lakritz. Sein übermäßiger Verzehr führt jedoch zur Erhöhung des Blutdrucks, zu Wassereinlagerungen im Gewebe sowie zu einer Verringerung der Testosteron-Produktion.

T

Thymian (Thymus vulgaris)

Die Birke, die in unseren Breiten als Hänge- bzw. Weißbirke oder auch als Moorbirke auftritt, gehört mit ihren zarten, hellgrünen Blättern zum typischen Frühjahrsbild in der Natur.
Der Baum kann bis zu 30 Meter hoch und 160 Jahre alt werden.

Zu Heilzwecken werden vor allem die Blätter, aber auch die Rinde bzw. der Rindensaft (Birken-Haarwasser), verwendet. Die Blätter enthalten Flavonoide, darüber hinaus auch Saponine, Gerbstoffe, ätherische Öle und vieles mehr. In der Volksmedizin schätzt man das junge Birkengrün für seine blutreinigenden, harntreibenden und anregenden Effekte. Im Fokus der modernen Pflanzenheilkunde steht die Unterstützung der Nieren-Blasenfunktion, vor allem bei Infekten der abführenden Harnwege. Dem im ätherischen Birkenöl enthaltenen Methylsalicylat wird zudem ein gewisses antientzündliches Potential nachgesagt. Das ätherische Öl ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass frisch geschlagene Birke als Feuerholz verwendet werden kann.

In jüngster Zeit genießt vor allem der Stoff Betulin in der Birkenrinde besondere Aufmerksamkeit, da er sich bei verschiedenen Hauterkrankungen bewährt hat.

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BIRKE – DEKORATIV, DOCH ALS HEILPFLANZE KAUM BEKANNT

W

Weide (Salix alba)

Der stattliche, bis zu 30 m Höhe erreichende Weidenbaum ist in Europa und Asien an Flussläufen und feuchten Standorten beheimatet. Es gibt über 450 verschiedene Arten. Medizinisch wird bei uns entweder die Silber- oder die Purpurweide genutzt.

Der zur Familie der Weidengewächse gehörende Baum liefert das wohl älteste und bekannteste pflanzliche Schmerzmittel und Antirheumatikum, das bereits in der Steinzeit Anwendung fand.

Die wertbestimmenden Inhaltstoffe dieser Heilpflanze befinden sich in der Rinde junger Zweige. Je nach Art sind darin bis zu 11 Prozent Salicylate (u.a. das Salicin) enthalten, ferner Gerbstoffe und Flavonoide. Weidenrinde stellt den Vorläufer von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®) dar, jedoch mit einem breiteren Wirkspektrum und ohne deren Nebenwirkungen. Denn Salicin ist eine so genannte „Prodrug“, die bei oraler Aufnahme erst in der Leber zur Salicylsäure umgewandelt wird. Aus diesem Grund findet keine reizende Wirkung bei Kontakt mit der Magen-Schleimhaut statt, wie es bei Salicylsäure der Fall ist. Anders als die synthetischen Präparate hat die Weidenrinde jedoch keinen blutverdünnenden Effekt.

Die gut verträglichen Weidenrindenextrakte wirken fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd und antioxidativ. Aus diesem Grund kommen Sie in der Medizin vorrangig bei fieberhaften Erkrankungen, rheumatischen Beschwerden und Kopfschmerzen zum Einsatz. Die Erfahrungsheilkunde setzt Zubereitungen aus der Weidenrinde auch bei Arthritis, Arthrose, Rückenschmerzen, Erkältungen und Schmerzen ein. In der Volksmedizin kennt man zudem die äußerliche Anwendung bei Wunden, Geschwüren, Warzen und schmerzenden Gelenken sowie Gurgellösungen bei Zahnfleischentzündungen.

Wermut (Artemisia absinthium)

Der auch „Bitterer Beifuß“ genannte krautige Korbblütler wächst an kargen, trockenen Standorten. Ursprünglich ist er in Südeuropa, Asien und Nordafrika beheimatet. Mönche brachten die Heilpflanze im Mittelalter nach Mitteleuropa und kultivierten sie in den Klostergärten.

Verwendet werden das geschnittene Kraut sowie die Blätter des Wermuts, dessen wertbestimmende Inhaltsstoffe 0,3 – 1,5 % ätherisches Öl, Sesquiterpen-Bitterstoffe, Flavone und Gerbstoffe sind. Heutzutage wird der Wermut meist als Tee zubereitet.

Schon im antiken Griechenland sowie in Ägypten wurde der Wermut mit seinen Bitterstoffen vorrangig zur Appetitanregung sowie zur Unterstützung der Verdauung verwendet. Die lateinische Gattungsbezeichnung des Wermuts verweist auf die griechische Jagdgöttin Artemis, die auch als „Mutter der Kräuter“ bezeichnet wird. Im Mittelalter setzte man den Wermut darüber hinaus bei Verwurmung und Erschöpfungszuständen ein. In der Volkskunde bedient man sich dieses Heilkrauts zudem zur Regeneration nach Erkrankungen und bei Schwächezuständen. Der Wermut ist so auch ein zentraler Bestandteil des universellen Heilmittels der Volkskunde, des Schwedenbitters.

In der modernen Phytotherapie konnten appetitanregende, verdauungsstärkende, entzündungs- und das Bakterienwachstum hemmende sowie das zentrale Nervensystem anregende Wirkungen des Wermuts nachgewiesen werden. Neueren experimentellen und klinischen Studien zufolge, soll der Wermut auch positive Effekte bei Malaria, der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn, bei Tumorzellen sowie auf die Gedächtnisleistung von Alzheimer-Patienten haben.

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Wermut – bittere Medizin, jedoch unversichtbar seit der Antike

Z

Zaubernuss (Hamamelis virginiana)

Die „Virginische“ Zaubernuss stammt aus Nordamerika und ist erst im 18. Jahrhundert zu uns gekommen. In den Gärten und Parkanlagen blüht der Strauch bereits im Spätwinter leuchtend gelb und ist damit auch optisch eine Ausnahmeerscheinung.

Bereits die nordamerikanischen Ureinwohner nutzten die Heilkraft der Zaubernuss vor allem bei Verletzungen jeder Art, wie Hautrissen und -abschürfungen sowie Frostbeulen, und gaben später ihr Wissen an die ersten europäisch stämmigen Siedler weiter. Das „Wundermittel“ Zaubernuss wurde auch innerlich bei Durchfall, Fieber, Erkältungen und Augenentzündungen eingesetzt. In unseren Breiten kam der vermehrte Einsatz der Hamamelis erst in den 1930er Jahren als Wundheilmittel auf.

Es werden sowohl die Blätter als auch die Rinde des Strauches medizinisch genutzt. Hamamelis ist eine Gerbstoffdroge. In den Blättern sind 3 – 8 %, in der Rinde 8 – 12 % Gerbstoffe enthalten. Darüber hinaus findet man Proanthocyanidine, Flavonoide, etwas ätherisches Öl sowie Kaffeesäurederivate in den Blättern. Man stellt als Arzneizubereitungen sowohl wässrige Auszüge und wässrig-alkoholische Extrakte als auch wässrige Destillate („Hamameliswasser“) her.

Die Wirkungen der Zaubernuss sind vielfältig. Sie wirkt keimtötend, entzündungshemmend, zellschützend, zusammenziehend, blutstillend, gewebeverdichtend, wundheilungsfördernd, sekretionshemmend und auch juckreizstillend.

Daher wird die Hamamelis vorrangig bei Wunden sowie Schleimhautentzündungen in Mund und Darm angewendet. Doch auch bei Neurodermitis, Hämorrhoiden, Venenentzündungen und bestimmten allergischen Erkrankungen ist die Zaubernuss die Heilpflanze der Wahl.

Darüber hinaus ist sie Bestandteil vieler Kosmetika, Cremes, Salben und Rasierwasser.

Zimt (Cinnamomum verum/cassia)

Die immergrünen Zimtbäume gehören zur Familie der Lorbeergewächse. Bei uns sind vor allem der Ceylon-Zimt sowie der Chinesische oder Cassia-Zimt als Gewürz, vorrangig in der Weihnachtszeit verwendet, bekannt. Es handelt sich dabei um die geschnittene und ggf. gemahlene Rinde der Äste des Baumes.

Die verschiedenen Zimt-Arten sind sich von den Inhaltstoffen her sehr ähnlich, weisen jedoch qualitative und quantitative Unterschiede bei den Inhaltstoffen, vor allem im ätherischen Öl, auf. Beim Cassia-Zimt wird die ungeschälte Primärrinde verwendet oder das daraus gewonnene ätherische Öl, beim Ceylon-Zimt die von den äußeren Schichten befreite Rinde.

Beide Zimt-Arten enthalten als wertbestimmende Inhaltstoffe zwischen 0,5 und 2,5 Prozent ätherisches Öl und Gerbstoffe. Man verwendet die zerkleinerte Medizinaldroge für Teeaufgüsse, das ätherische Öl oder auch andere Zubereitungen in Form von Fertigpräparaten.

Der Zimt wirkt antibakteriell und hemmt die Vermehrung von Pilzen. Er regt zudem den Appetit an und wird vor allem wegen seiner heilsamen Wirkung auf Störungen im Verdauungstrakt, wie Blähungen, Völlegefühl, Magen-Darm-Krämpfe, Bauchschmerzen mit Durchfall, geschätzt. Die Volksmedizin verwendet Zimtzubereitungen auch bei Übelkeit und Wechseljahrsbeschwerden sowie aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Effekte äußerlich bei Schmerzen im Gelenk- und Bewegungsapparat.

In jüngeren experimentellen und klinischen Studien ist für den Zimt eine antidiabetische Wirkung nachgewiesen worden. Darüber hinaus diskutiert man senkende Effekte auf den Blutfett-Gehalt.